Was ist Gefahrgut? Definition & Beispiele | ProSafeCon

3.500 Einträge hat das Register international klassifizierter Gefahrgüter laut Bundesinstitut für Risikobewertung. Wann geht von Gütern Gefahr aus? Was ist ein Gefahrgut?

Wenn Gefahrgut auf Straße, Schiene, im Wasser oder der Luft transportiert werden, muss ein Gefahrgutbeauftragter bestellt werden. Doch welche Güter fallen in die Kategorie Gefahrgut? Etwa 3.500 Stoffe sind mit ihrer UN-Nummer im Katalog der Gefahrgüter erfasst und müssen beim Transport oder der Lagerung mit besonderer Vorsicht und unter Vorschriften, beispielsweise zur Dokumentation, behandelt werden.

Die Klassifizierung von Gefahrgut ist international nach Modellvorschriften der Vereinten Nationen geregelt. Bei Transporten über die Grenze sollen einheitliche Kennzeichnungen der Gefahrguttransporte die Sicherheit steigern. Wir zeigen Ihnen, wie die Klassifizierung von Gefahrgut, auch “dangerous goods”, erfolgt und wie Sie von externen Gefahrgutbeauftragten profitieren können.

Was ist Gefahrgut?

Laut Gesetz über die Beförderung gefährlicher Güter auch Gefahrgutbeförderungsgesetz (GGBefG) ist die Definition “Gefahrgut” für Stoffe und Gegenstände dann erfüllt, wenn diese:

auf Grund ihrer Natur, ihrer Eigenschaften oder ihres Zustandes im Zusammenhang mit der Beförderung Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere für die Allgemeinheit, für wichtige Gemeingüter, für Leben und Gesundheit von Menschen sowie für Tiere und Sachen ausgehen können.”

Diese “Gefahr” für Mensch, Tier und Umwelt geht von vielen verschiedenen Stoffen aus. Durchgesetzt hat sich die Einteilung von Gefahrgütern der UN, welche Gefahrgüter in Klassen eingeteilt und ein Modell für die Kennzeichnung vorschreibt. D.h. jedes Gut, das eine UN-Nummer hat, gilt als Gefahrgut!

Doch wo findet man die UN-Nummer? Diese findet man manchmal auf dem Gut selbst – doch muss die UN-Nummer nicht dort sein. Die einzig zuverlässige Quelle ist das Sicherheitsdatenblatt. Dort kann man die UN-Nummer im Abschnitt Transport finden.

Umgekehrt gilt: Güter ohne UN-Nummer sind KEIN Gefahrgut.

Welche Gefahrgutklassen gibt es?

Es gibt 9 verschiedene Gefahrgutklassen mit Unterklassen, die separat gekennzeichnet werden und für deren Transport bestimmte Regelungen und Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden müssen. 

Wir zeigen, welche Gefahrgutklassen es gibt und welche Beispiele für Gefahrgut sich in der Klasse befinden.

Gefahrgut Klasse 1 – Explosivstoffe

In der Klasse finden sich Explosivstoffe und Gegenstände, die Explosivstoffe enthalten.

Die Gefahrgut Klasse 1 ist in weitere Unterklassen unterteilt. Diese hängen von der Empfindlichkeit beim Transport und den Auswirkungen bei einer Explosion ab.

Beispiele für Gefahrgut der Klasse: TNT, Airbags

Gefahrgut Klasse 2 – Gase

In dieser Klasse wird zwischen Gasen unterschieden, die entzündbar sind (Klasse 2.1), nicht entzündbar sind (Klasse 2.2) oder giftig sind (Klasse 2.3).

Beispiele für Gefahrgut der Klasse: Helium, Neon, Stickstoff

Gefahrgut Klasse 3 – Entzündbare flüssige Stoffe

Entzündlich oder entzündbar sind alle Stoffe, die bereits bei relativ geringer Hitzeeinwirkung Feuer fangen (niedriger Flammpunkt).

Beispiele für Gefahrgut der Klasse: Benzin, Diesel, Heizöl, Alkohol

Gefahrgut Klasse 4 – Entzündbare feste Stoffe

In der Klasse 4 finden sich drei Unterklassen:

Klasse 4.1 Entzündbare feste Stoffe,

Klasse 4.2 Selbstentzündliche Stoffe

Klasse 4.3 Stoffe, die mit Wasser entzündliche Gase bilden

Beispiele für Gefahrgut der Klasse: Aluminiumpulver, Phosphor, Kalziumkarbid

Gefahrgut Klasse 5 – Entzündend wirkende Stoffe / Brandfördernde Stoffe

In der Gefahrgutklasse 5 gibt es zwei Unterklassen:

Klasse 5.1 Entzündend (oxidierend) wirkende Stoffe

Klasse 5.2 Organische Peroxide

Beispiele für Gefahrgut der Klasse: Sauerstoff, Vernetzer in der Gummiindustrie

Gefahrgut Klasse 6 – Giftige Stoffe

In der Klasse 6 gibt es zwei Unterklassen:

Klasse 6.1 Giftige Stoffe

Klasse 6.2 Ansteckungsgefährliche Stoffe

Beispiele für Gefahrgut der Klasse: Mittel zur Schädlingsbekämpfung, Krankenhausabfälle

Gefahrgut Klasse 7 – Radioaktive Stoffe

In diese Gruppe gehören alle Stoffe, die radioaktive, also spontan ionisierende Strahlung aussenden.

Beispiele für Gefahrgut der Klasse: ausgediente Brennstäbe, medizinische Geräte oder Medikamente

Gefahrgut Klasse 8 – Ätzende Stoffe

Stoffe dieser Klasse sind aufgrund ihres sauren oder basischen pH-Wertes ätzend.

Beispiele für Gefahrgut der Klasse: Schwefelsäure

Gefahrgut Klasse 9 – weitere gefährliche Stoffe und Gegenstände

In dieser “Auffangklasse” befinden sich Gefahrstoffe, die keiner anderen Kategorie zugeordnet werden können.

Beispiele für Gefahrgut der Klasse: Asbest, Lithium Batterien (Klasse 9A)

Weitere kennzeichnungspflichtige Klassen:

Was macht einen Gefahrstoff zum Gefahrgut?

Grundsätzlich gilt Gefahrstoff und Gefahrgut sind nicht das Gleiche!

Als GefahrSTOFF wird ein Stoff bezeichnet, von dem bei der Verwendung oder bei der Lagerung eine Gefahr ausgeht. Rechtliche Grundlagen bilden die Gefahrstoffverordnung und das Wasserhaushaltsgesetz im weiteren Sinne.

Als GefahrGUT wird ein Gegenstand oder Stoff klassifiziert, von dem während des Transportes eine besondere Gefahr ausgeht. Ganz konkret bedeutet das, dass vor allem im Falle eines (Verkehrs-)Unfalls beispielsweise weitere Gefährdungen von einem Stoff oder Gegenstand ausgehen, weil er zum Beispiel leicht entzündlich ist, oder unter Druck steht. Die rechtliche Basis bilden hier die Gefahrgutverordnungen der jeweiligen Verkehrsträger (ADR, GGVSEB, GGVSee, …). Ausführlich erklären wir den Unterschied Gefahrstoff vs. Gefahrgut – worauf ist zu achten? im Blogartikel.

Verschiedene Gefahrgut Regelungen pro Verkehrsträger

Abkommen und Vorschriften zum Transport von Gefahrgut sind nach Verkehrsträger unterteilt. So gibt es Regularien zum Transport von Gefahrgütern auf der Straße, der Schiene, in der Luft, zur See oder in der Binnenschifffahrt. Diese gelten international, innerhalb der UN oder auch weltweit. Allein das Abkommen zum Transport von Gefahrgut auf der Straße (ADR) ist in mehr als 50 Ländern anerkannt.

Neben den internationalen Regelungen gibt es auch jedoch auch nationale Sonderregelungen, die im jeweiligen Landesrecht so z.B. in Deutschland in der Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB) verankert sind. Beispielsweise zum Transport von Gefahrgütern auf der Donau.

Jeder Verkehrsträger hat sein eigenes Gefahrgutrecht:

Checkliste – Was ist Gefahrgut?

Wenn Sie gefährliche Stoffe befördern, unterliegen Sie vielleicht den Regularien zum Transport von Gefahrgut. Um diese festzustellen, müssen Sie die Art der Güter und deren Menge analysieren:

Gibt es eine UN-Nummer?

Wenn im Sicherheitsdatenblatt des Produktes eine UN-Nummer zu finden ist, dann handelt es sich um Gefahrgut. Dort können Sie auch entnehmen welcher Gefahrgutklasse es zugeordnet ist. Welche Art der Kennzeichnung und Verpackung anzuwenden ist, kann in den Gefahrguttabellen der jeweiligen Regelwerke ADR, AND,RID IMDG oder IATA nachgeschlagen werden. Auch etwaige Sondervorschriften sind dort zu finden. Sie sind sich unsicher, oder möchten Unterstützung von einem Profi? Dann melden Sie sich gerne bei uns!

Dem Produkt ist keine UN-Nummer zugeordnet? Dann ist es KEIN Gefahrgut. So einfach ist das!

In welchen Mengen wird Gefahrgut transportiert?

Je nach Menge und UN-Nummer des transportierten Gefahrgutes können Sondervorschriften angewendet werden, die Erleichterungen bieten. So z.B. die Regelungen zur Begrenzten Menge, die 1000 Punkte Regel, Freistellungen oder Ausnahmen für bestimmte Berufsgruppen.

Ob und welche Sondervorschriften und Erleichterungen im speziellen Fall gelten, kann grundsätzlich durch Nachschlagen in den jeweiligen Tabellen der Gesetzestexte der ADR, AND, RID, IMDG oder IATA herausgefunden werden. Vorsicht gilt bei eigenen Interpretationen: Wirkliche Rechtssicherheit gibt es nur durch erfahrene Gefahrgutbeauftragte. Die Bestellung eines Gefahrgutbeauftragten ist in vielen Fällen sogar verpflichtend!

Sicherheit durch Gefahrgutbeauftragte von ProSafeCon

Wirkliche Sicherheit für Ihre Gefahrguttransporte erhalten Sie nur durch geschulte Gefahrgutbeauftragte. Sobald Sie gewerblich mit Gefahrgut umgehen, sollten Sie einen Gefahrgutbeauftragten zur Bewertung der Situation konsultieren. Dieser hilft Ihnen zu verstehen, welche Regelungen greifen und ob Sie in der Pflicht sind, einen Gefahrgutbeauftragten zu bestellen.

Mit externen Gefahrgutbeauftragten von ProSafeCon sparen Sie dabei im Vergleich zu einem eigenen Gefahrgutbeauftragten Geld und können das eigene Haftungsrisiko reduzieren. Das ist vor allem der Fall, wenn die Menge der Gefahrguttransporte und die Dokumentation einen eigenen Gefahrgutbeauftragten nicht auslastet bzw. kein interner Mitarbeiter die persönlichen Haftungsrisiken übernehmen möchte.

Quellen:

Cornelia Klaubert

Cornelia Klaubert

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