Bei Arbeitsunfällen gilt es einige Dinge zu beachten: von der Rettungskette über die Unfallanzeige bis hin zum Versicherungsschutz. Selbstverständlich gibt es auch hier einige Fallstricke zu beachten. In diesem Blogbeitrag lesen Sie kurz zusammengefasst, was zu tun ist und warum.

Die Rettungskette

Ein gewisses Risiko besteht immer, dass am Arbeitsplatz ein Unfall passiert. Beschäftigte sind während ihrer Arbeit durch die gesetzliche Unfallversicherung geschützt. Unter sie fallen die medizinische Akutversorgung, wenn nötig die Rehabilitation und Teilhabe sowie gegebenenfalls eine Entschädigung. Doch was ist in der Situation zu tun, wenn ein Arbeitsunfall tatsächlich passiert?

Als Mitarbeiter sollten Sie, vor allem auch im eigenen Interesse, folgendes immer wissen:

  • Wer ist Ersthelfer?
  • Wo ist der nächste Verbandkasten?
  • Wo kann der nächste Notruf abgesetzt werden? (Telefon und Rettungsdienstnummer)
  • Welcher Arzt oder welches Krankenhaus muss aufgesucht werden?
  • Wer ist zu benachrichtigen?
  • Welche Informationen benötigen Rettungsdienst und Krankenhaus/Arzt?

Wer an einer Unfallstelle eintrifft, sollte:

  • Ruhe bewahren,
  • Die Unfallstelle absichern- beispielsweise noch laufende Maschinen stoppen,
  • Hilfe holen- Ersthelfer/innen und den Rettungsdienst benachrichtigen
  • Durch den Unfall gefährdete Personen alarmieren und aus der Gefahrenzone bringen
  • Das Opfer retten und erstversorgen

Stolperstein Nummer 1: Gehören Medikamente zur ersten Hilfe?

Nein. Medikamente dürfen grundsätzlich nur von Ärzten verabreicht werden. Die Erste Hilfe muss sich auf die Wundversorgung und andere, in der Ersthelfer-Ausbildung geübte Maßnahmen beschränken. Sind eventuell Medikamente notwendig (auch/sogar Kreislauftropfen, Schmerztabletten o. Ä.), sollten diese aus haftungsrechtlichen und fachlichen Gründen von einem Arzt verabreicht werden, denn nur dieser kann mit seinem Fachwissen über die Art und Dosierung der Medikamente entscheiden und auch die Verantwortung übernehmen.

Stolperstein Nummer 2: Verletzte selbst zum Arzt fahren

Der Transport zu einem Arzt oder in ein Krankenhaus sollte wegen der durchgängigen medizinischen Betreuung und aus Haftungsgründen vom Rettungsdienst oder einem anderen Krankentransport durchgeführt werden.

Stolperstein Nummer 3: Welcher Arzt ist der richtige?

Personen, die sich bei der Arbeit verletzt haben, so dass sie einen Tag ausfallen, müssen einen Durchgangsarzt aufsuchen. Diese Fachperson ist auf die Behandlung von Unfallverletzten spezialisiert. Schwerere Verletzungen müssen in besonderen, von den Unfallversicherungsträgern zugelassenen Krankenhäusern oder Kliniken medizinisch versorgt werden. Nach der Entlassung übernimmt die weitere ambulante Behandlung ein Fach- oder Hausarzt.

Stolperstein Nummer 4: Dokumentation

Bei allen – vor allem auch kleinen – Unfällen gilt: Der Arbeitsunfall muss zusätzlich zu gegebenenfalls weiteren Maßnahmen im Verbandbuch eingetragen werden. Wer diesen Dokumentationsschritt übernimmt, kann jeder Betrieb frei entscheiden. Der Eintrag im Verbandbuch ist deswegen wichtig, weil sich durch ihn auch zu einem späteren Zeitpunkt nachvollziehen lässt, dass sich der Unfall während der Arbeit ereignet hat.

Wenn Unfallopfer voraussichtlich mehr als drei Kalendertage arbeitsunfähig sind, muss innerhalb von drei Tagen eine Unfallanzeige aufgegeben werden. Tödliche, besonders schwere und Massenunfälle (mehrere Personen) müssen sofort gemeldet werden (z. B. telefonisch oder per Fax). Die Anzeige erstatten die Arbeitgeber beim zuständigen Unfallversicherungsträger (Berufsgenossenschaft, Unfallkasse) und dem Gewerbeaufsichtsamt.

Übrigens: Um weitere ähnliche Unfälle zu vermeiden, muss auch eine Unfalluntersuchung vorgenommen und entsprechend geeignete Maßnahmen getroffen werden.

Stolperstein Nummer 5: „Home-Office“

Der Umgang mit Arbeitsunfällen, die während der Arbeit von zuhause aus passieren, ist gleichzeitig so komplex wie simpel: An und für sich sind – egal ob im Büro, oder eben im Home-Office – arbeitsbezogene Tätigkeiten versichert, „eigenwirtschaftliche“, also solche, die man für sich privat tut, nicht. Die Mittagspause ist also beispielsweise in beiden Fällen nicht versichert. Der Weg zur Mittagspause wiederum ist im Büro versichert, zuhause nicht. Warum? Weil zuhause der Mitarbeiter die Umstände dieses „Weges“ selbst verantwortet und in der Arbeit eben der Arbeitgeber. Schwierig sind allerdings die Definitionen von Begriffen wie „Arbeitsweg“. Entsprechend gibt es hierzu auch einige Gerichtsurteile.

Zusammenfassung:

  • Mitarbeiter sollten sich immer eine Übersicht verschaffen, wo sie Hilfe bekommen (Ersthelfer, Verbandskasten, Hilfsmittel etc.)
  • Für Medikamente, auch wenn es „nur eine Schmerztablette“ ist, ist der Arzt zuständig. Der „richtige“ Arzt ist entweder ein sogenannter „Durchgangsarzt“, oder ein vom Unfallträger zugelassenes Krankenhaus.
  • „Wer schreibt, der bleibt“ – Dokumentation ist unabdingbar – auch bei kleinen Unfällen!
  • Arbeit von zuhause ist auch über die Arbeit versichert – solange ich Tätigkeiten für meine Firma und nicht für mich ausführe.

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