Ein Großteil der Risiken von Arbeitsunfällen beim Betrieb von Maschinen kann erst durch den Einsatz von Schutzvorrichtungen reduziert werden. Eine Sicherheitseinrichtung ist per Definition eine Vorrichtung, Barriere oder ein System, das dazu dient, Menschen vor Gefahren bzw. einem Gefahrenbereich, zu schützen. Solche Einrichtungen kommen in verschiedenen Bereichen zum Einsatz, wie in der Industrie, im Verkehr, in der IT oder im Bauwesen. Diese Arbeitsschutzmaßnahmen sollen Unfälle, Missbrauch oder Sabotage verhindern und gewährleisten, dass Sicherheitsstandards eingehalten werden.
Welche Aufgaben haben Sicherheitseinrichtungen an Maschinen?
In der Industrie können Sicherheitseinrichtungen beispielsweise Schutzeinrichtungen an Maschinen sein, die verhindern, dass Arbeiter durch gefährliche Bewegungen verletzt werden. Not-Aus-Schalter, Schutzgitter oder Lichtschranken gehören zu diesen Mechanismen. Im Bauwesen oder in Gebäuden können es Alarmsysteme, Brandschutzanlagen oder Videoüberwachungen sein, die sowohl Personen als auch Sachwerte schützen sollen.
Man unterscheidet bei den Einrichtungen zum Arbeitsschutz zwischen trennenden und nicht trennenden Schutzeinrichtungen.
Zwei Arten von Schutzvorrichtungen
Es wird zwischen trennenden und nicht trennenden Lösungen für Schutzeinrichtungen unterschieden. Die trennenden Schutzeinrichtungen verhindern, dass Personen in den Gefahrenbereich einer Maschine eindringen oder in diesen eingreifen.
Manchmal ist es jedoch nicht möglich oder auch nicht sinnvoll, solche feststehenden Vorrichtungen zu wählen. Insbesondere dann, wenn dadurch die Gefahr von Manipulationen erhöht wird. Die Maschinenrichtlinie, Anhang 1, verlangt, dass die Konstruktion einer Schutzeinrichtung verhindern muss, dass sie auf einfache Weise unwirksam gemacht werden kann. Andernfalls darf die Maschine nicht mit einer CE-Kennzeichnung versehen werden.
Eine Lösung ist dann die Verwendung von nicht trennenden Schutzeinrichtungen. Diese schützen den Gefahrenbereich ohne physische Trennung. Häufig werden hier steuerungstechnische Lösungen eingesetzt, wie z.B. Sicherheitslichtgitter in Kombination mit einer Sicherheitssteuerung.
Nicht-trennende Schutzeinrichtungen
Eine nicht-trennende Schutzeinrichtung bzw. berührungslose Schutzeinrichtung wird verwendet, wenn die Mitarbeiter häufig Zugang zu einer gefährlichen Stelle haben müssen. Auch kann es sein, dass an dieser Stelle aus baulichen Gründen keine trennenden Schutzeinrichtungen angebracht werden können.
Es handelt es sich um Sicherheitseinrichtungen, die den Bereich einer Produktionsmaschine schützen. Die zu diesem Zweck verwendeten Schutzvorrichtungen sind speziell für die Erkennung von Personen ausgelegt. Diese Schutzeinrichtungen werden daher auch als „berührungslos“ bezeichnet. Solche Schutzeinrichtungen können zum Beispiel Lichtgitter, Lichtschranken, Leuchtvorhänge oder Scanner sein. Berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen (BWS) und deren Prüfung werden in der DIN-Norm EN IEC 61496-1:2020 (Deutsche Fassung) dargelegt.
Wenn ein Mitarbeiter eine Schutzeinrichtung durchquert, stoppt die Maschine unverzüglich ihre Produktion. Dieselbe Funktion wird mit einer Trittmatte erreicht. Bei einer Zweihandschaltung arbeitet die Maschine nur, wenn beide Hände ein Bedienelement betätigen. Wenn eine Hand oder beide Hände die Position ändern, hält die Maschine an. Hier werden in erster Linie die Arme und Hände des Arbeiters geschützt; der Schutz der Maschine ist hier nachrangig.
Trennende Schutzeinrichtungen
Eine trennende Schutzeinrichtung ist eine bauliche Trennung zwischen dem Mitarbeiter und dem Gefahrenbereich der Fertigungsmaschine. Mit Zäunen, Schutztoren, oder Abdeckungen werden die Gefahrenbereiche vor unerwünschtem Zugriff geschützt. Auch Schutzgehäuse an den Maschinen sind eine Möglichkeit.
Der Abstand hängt sehr stark von der Situation und der zu schützenden Person ab. Gefährliche Punkte können erreicht werden durch:
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- Nach oben greifen
- Hinübergreifen
- Umgreifen
- Durchgreifen
Die erforderlichen Mindestabstände hängen nicht nur von der Lage der Gefahrenquelle ab, auch die zu schützenden Personen müssen berücksichtigt werden. So gelten beispielsweise für unterschiedlich große Personen unterschiedliche Maße.
Genauere Maße für die Abstände finden Sie im Anhang der EN ISO 13857:2019 (Deutsche Fassung). Es handelt sich bei den Maßen nur um Richtwerte, die von einer Person mit normalem Arbeitsverhalten ausgehen. Missbräuchliche Nutzung oder absichtliche Überschreitung der Sicherheitsvorkehrungen werden von der Norm nicht berücksichtigt.
Feststehende trennende Schutzeinrichtungen an Maschinen und Anlagen
Bei feststehenden Schutzvorrichtungen ist die Schutzvorrichtung als Maschinenteil fest mit der Maschine verbunden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Schutzvorrichtung die Produktivität der Maschine nicht beeinträchtigt und auch während der Produktion bestehen bleiben kann.
Weil feststehende Schutzvorrichtungen permanent angebracht sind und nicht entfernt werden können, können sie nur im Leerlauf und mit Zusatzwerkzeug entfernt werden. Die feststehende Schutzeinrichtung muss aus einem widerstandsfähigen Material gefertigt sein. Die DIN-Norm EN ISO 14120:2015 (Deutsche Fassung) legt ausdrücklich fest, dass feststehende trennende Schutzeinrichtungen nur dann verwendet werden sollten, wenn der Zutritt zur Gefahrenzone nicht regelmäßig sichergestellt werden muss.
Beispiele für feststehende trennende Schutzeinrichtungen
Beispiele für feststehende trennende Schutzeinrichtungen sind:
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- Begehbarer Schutzzaun
- Schutzumhausung einer Reinigungskabine mit Hubtor
Bewegliche trennende Schutzvorrichtungen
Die bewegliche Schutzeinrichtung befindet sich ebenfalls zwischen dem Mitarbeiter und der Gefahrenzone der Maschine. Die Schutzeinrichtung kann ohne zusätzliches Werkzeug abgenommen und entfernt werden. Allerdings muss sie dauerhaft mit der Maschine verbunden bleiben. Solche Schutzvorrichtungen werden häufig durch Türen in Schutzzäunen oder Klappen an Öffnungen realisiert. Auch Schwenk- oder Schiebetüren gehören zu den beweglichen trennenden Schutzeinrichtungen. Gemäß der ISO-Norm 14120:2015 sollten bewegliche trennende Schutzeinrichtungen installiert werden, wenn ein häufiger Zugang zur Gefahrenquelle erforderlich ist.
Beispiele für bewegliche trennende Schutzeinrichtungen:
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- Laserschutzkabine für die Forschung
- Schutzkabine für Laserbeschriftungsgerät
- Schutzkabine mit Winkeltür
Ist eine Lichtschranke eine trennende Schutzeinrichtung?
Eine Lichtschranke ist eine berührungslos wirkende Schutzeinrichtung, die häufig in der Industrie verwendet wird, um Maschinen und deren Arbeitsbereiche zu sichern. Sie wird oft als Sicherheitsmaßnahme eingesetzt, um Personen davor zu schützen, in gefährliche Bereiche einer Maschine zu gelangen.
Im Gegensatz zu physischen Schutzeinrichtungen wie Schutztüren, die als trennende Schutzeinrichtungen fungieren, bietet die Lichtschranke keinen direkten, physischen Schutz vom Gefahrenbereich. Schutztüren trennen den Zugang zu gefährlichen Bereichen durch eine feste Barriere, die nur geöffnet werden kann, wenn die Maschine gestoppt ist. Eine Lichtschranke hingegen erkennt, wenn jemand den abgesicherten Bereich betritt, und stoppt dann die Maschine automatisch, ohne dass der Zugang physisch blockiert wird.
Somit wird eine Lichtschranke nicht als trennende Schutzeinrichtung betrachtet, da sie keine physische Barriere darstellt, sondern eher als berührungslose Schutzeinrichtung fungiert. Trotzdem ist sie eine effektive Maßnahme, um den Zugang zu gefährlichen Maschinenbereichen zu überwachen und so das Risiko von Unfällen zu minimieren. In vielen Fällen werden Lichtschranken in Kombination mit anderen Sicherheitseinrichtungen wie Schutztüren eingesetzt, um den maximalen Schutz zu gewährleisten.
Manipulierung von Schutzvorrichtungen an Maschinen
Es ist leider nicht ungewöhnlich, dass Arbeiter Schutzvorrichtungen an Maschinen manipulieren – aus einer Vielzahl von Gründen, aber in der Regel hofft der Arbeiter, sich dadurch einen Vorteil zu verschaffen:
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- leichteres und bequemeres Arbeiten
- schnellere, höhere Produktion
- bessere Sicht auf das Werkstück / Teile
- verbesserte Nutzbarkeit der Maschine
Größere Nachteile wie schwere Unfälle, Maschinenausfälle und höhere Betriebskosten werden dabei ignoriert.
Wenn die Sicherheitseinrichtungen in einer Fabrik häufig manipuliert werden, sind Maßnahmen zu ergreifen, um die Ursache zu beseitigen, um die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz zu gewährleisten. Zunächst einmal wäre der Hersteller der Sicherheitseinrichtungen der richtige Ansprechpartner, um die Sicherheit der Mitarbeiter weiter zu erhöhen. Im Optimalfall hat er eine Lösung für einen verbesserten Schutz parat.
Fazit: die Bedeutung der Schutzeinrichtung
Sicherheitseinrichtungen sind somit unerlässlich, um Gefahren zu minimieren und sichere Arbeits-, Lebens- und Kommunikationsbedingungen zu gewährleisten. Sie tragen maßgeblich dazu bei, Risiken zu verringern und gesetzliche Sicherheitsanforderungen einzuhalten.
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Quellen:
https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2006:157:0024:0086:de:PDF
https://www.gesetze-im-internet.de/betrsichv_2015/BJNR004910015.html
https://www.dguv.de/rundschreiben/dokcenterimport/2015/0261_2015_trbs_2111_teil_1.pdf