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Brandabschnitt: Was ist das und wofür sind Brandabschnitte gut?

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Größere industriegewerbliche Gebäude oder Gebäudegruppen werden in Brandabschnitte unterteilt, um Gefahren und mögliche Schäden zu begrenzen und um Brandschutzmaßnahmen sinnvoll planen zu können. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Größe ein Brandabschnitt hat, welche Bedeutung Brandabschnitte haben und welche Regelungen zu Ausnahmen es gibt.

Definition: Was ist ein Brandabschnitt?

Der Brandabschnitt stellt einen baulich abgegrenzten Bereich dar. Er brennt im Schadensfall (Feuer) planmäßig aus. Das Feuer kann sich deshalb nicht auf andere Bereiche ausbreiten. Die Ausbreitung des Feuers auf benachbarte Abschnitte wird durch feuerbeständige Bauteile verhindert.

Ein Brandabschnitt ist also ein Gebäudeteil, der so konstruiert ist, dass er die Ausbreitung eines Feuers auf oder von einem anderen Teil desselben Gebäudes oder einem angrenzenden Gebäude verhindert.

Dies wird durch die Bereitstellung von feuerbeständigen Wänden und Böden erreicht (die in der Regel Feuerwiderstandsklassen zwischen F 30 und F 120 bieten). Dazu gehören auch spezielle Maßnahmen für alle Öffnungen in den Bereichen, wie z.B. Türen, Fenster, Rohrleitungen und Durchführungen für Versorgungsleitungen.

Die Wand, der Boden und die Decke müssen für die Dauer der vorgesehenen Feuerwiderstandsdauer funktionsfähig bleiben. Die Wände oder Böden dürfen keine Risse oder Löcher aufweisen, durch die Flammen, Rauch oder heiße Rauchgase dringen können. Gegebenenfalls müssen sie ein angemessenes Maß an Isolierung aufweisen.

Warum werden Brandabschnitt gebildet?

Der zentrale Punkt hinter der Bildung von Brandabschnitten ist, dass im Brandfall die Feuerwehr in der Lage ist, die Abschnitte zu händeln. Die Feuerwehr muss mit ihrem Material an jeden Punkt des Gebäudes gelangen können. Ist eine Hochleistungs-Sprinkleranlage vorhanden, kann diese das Feuer so weit eindämmen, dass die Feuerwehr mehr Zeit hat, aufzubauen. 

Vor diesem Hintergrund gibt es zwei Hauptgründe, warum Brandabschnitte notwendig sind – für die Sicherheit von Menschenleben und zum Schutz von Sachwerten.

Schutz von Menschenleben

Die Bildung von Brandabschnitten ist erforderlich, wenn es darum geht, Fluchtwege zu schützen oder zu unterteilen; dies kann externe oder interne Fluchtwege umfassen. Dazu gehören z.B. Fluchtkorridore, Treppenhäuser, einschließlich solcher mit Fluchtbereichen, geschützte Eingangsbereiche und Feuerlöschschächte. Die Brandabschnittsbildung verschafft den Bewohnern des Gebäudes zusätzliche Zeit für die Evakuierung, bevor die Fluchtwege durch die Ausbreitung von Feuer und Rauch beeinträchtigt werden können.

Außerdem wird dadurch die Gefahr für die Feuerwehr und den Rettungsdienst verringert. Die Kompartimentierung wird auch eingesetzt, um die maximale Größe von Räumen wie z.B. Lagerhallen zu begrenzen. Die Kompartimentierung wird auch zur Unterstützung spezifischer Evakuierungsstrategien verwendet, wie z.B. einer Strategie zur Abwehr von Bränden in Wohnblocks, bei der jede Wohnung als eigener Brandabschnitt konzipiert ist, wodurch die Notwendigkeit einer vollständigen Evakuierung des Gebäudes im Falle eines Brandes in einer Wohnung eingeschränkt wird.

Schutz von Sachwerten

Die Bildung von Brandabschnitten wird zum Schutz von Sachwerten benötigt, da sie die Ausbreitung des Feuers begrenzt und versucht, es auf den Entstehungsort zu beschränken. Dies gilt vor allem für Räume, die besondere Brandgefahren bergen, wie z.B. Maschinenräume oder andere Räume mit hohem Risiko. Es kann auch zum Schutz von Bereichen mit hohem finanziellem oder strategischem Wert verwendet werden, wie z.B. IT-Bereiche/Serverräume oder wichtige Lagerräume.

Gesetzliche Vorschriften und Normen zu Brandabschnitten

In vielen Ländern sind die Anforderungen an Brandabschnitte in den jeweiligen Bauordnungen und Brandschutzrichtlinien festgeschrieben. In Deutschland beispielsweise müssen Brandabschnitte bestimmte Anforderungen an den Feuerwiderstand erfüllen, die in der DIN 4102-2 und der Musterbauordnung (MBO) definiert sind. Auch die Industriebaurichtlinie und die Versammlungsstättenverordnung geben spezifische Vorgaben für Brandabschnitte in bestimmten Arten von Bauten.

Wie lang darf ein Brandabschnitt maximal sein?

Für die Unterteilung von Brandabschnitten gibt es keine einheitlichen Regeln. Je nach Objekt werden unterschiedliche Ansätze verwendet. Nach § 30 der Musterbauordnung (MBO) müssen Gebäude durch Gebäudetrennwände in Brandabschnitte von höchstens 40 m Länge unterteilt werden. Gebäude, die dieses Maß überschreiten und nicht unter § 51 MBO fallen, müssen in mehrere Brandabschnitte unterteilt werden. Zu diesem Zweck werden innere Brandwände in einem Abstand von maximal 40 m verwendet. Sie sind auch in landwirtschaftlich genutzten Gebäuden erforderlich, um diese in Brandabschnitte mit einem Bruttorauminhalt von nicht mehr als 10.000 m³ zu unterteilen, sowie zwischen dem Wohnteil und dem landwirtschaftlich genutzten Teil eines Gebäudes. Zusätzlich zu feuerbeständigen Wänden und Decken können auch feuerhemmende Türen und Verglasungen zum Einsatz kommen, um die Integrität eines Brandabschnitts weiter zu stärken.

In großen Lagerhallen, in denen z.B. Gabelstapler durchfahren oder lange Förderbänder vorhanden sind, können unter bestimmten Voraussetzungen Abweichungen von dieser Regel getroffen werden. Längere Abschnitte sind zulässig, wenn die Nutzung des Gebäudes dies erfordert und keine Bedenken im Hinblick auf den Brandschutz bestehen (§51 MBO). Eine Formulierung dafür könnte im Brandschutzkonzept wie folgt lauten: „aus brandschutztechnischer Sicht bestehen gegen die geplante Ausführung der Brandabschnittsflächen keine Bedenken, da alle Brandabschnitte mit einer Hochleistungs-Sprinkleranlage ausgestattet werden.“ Wenn man solche eine Sprinkleranlage einsetzt und dies im Brandschutzkonzept so niedergeschrieben wird, kann man auf die 40 Meter Regelung verzichten. Darüber hinaus muss im Brandschutzkonzept genau festgeschrieben werden, auf welche technischen Maßnahmen zurückgegriffen wird.

Bei Sonderbauten wie Krankenhäusern, Versammlungs- und Verkaufsstätten usw. ist die Art der Nutzung ausschlaggebend für die Unterteilung in Brandabschnitte.

Als externer Brandschutzbeauftragter prüfen wir beispielsweise, ob in Ihrem Betrieb das Brandschutzkonzept eingehalten wurde, und unterstützen Sie natürlich auch bei weiteren Fragen zum Thema Brandschutz.

Wer ist für die Genehmigung der Brandabschnitte zuständig?

Die Errichtung von Brandabschnitten beginnt bereits in der Planungsphase eines Gebäudes. Architekten und Bauingenieure müssen sicherstellen, dass die Positionierung und Konstruktion der Brandwände den gesetzlichen Anforderungen entspricht.

Die zuständige Brandschutzdienststelle ist schließlich für die Genehmigung der Brandabschnitte zuständig. Diese ist auch für die Genehmigung auf Basis des Brandschutzkonzepts bei Abweichungen von der 40 Meter Regelung zuständig.

Brandabschnitte bei Nutzungsänderung

Bei einer Nutzungsänderung eines Gebäudes muss das Brandschutzkonzept immer angepasst werden. Möchte beispielsweise ein Unternehmen, das bislang nur nicht besonders entflammbare Produkte hergestellt hat, nun zusätzlich zum regulären Betrieb noch Gefahrstoffe abfüllen, stellt dies eine erhöhte Gefahr dar, was zu einer Anpassung des Brandschutzkonzepts führen muss. Hierfür ist ebenfalls die Brandschutzdienststelle zuständig.

Herausforderungen und moderne Ansätze

Trotz strenger Vorschriften gibt es immer wieder Herausforderungen bei der Implementierung von Brandabschnitten, insbesondere in älteren Gebäuden oder bei Umbauten. Eine der Herausforderungen ist der korrekte Einbau von Durchdringungen wie Lüftungsleitungen oder Kabeltrassen, die die feuerresistente Barriere durchbrechen. Hier kommen spezielle Abschottungssysteme zum Einsatz, die sicherstellen, dass die Feuerwiderstandsfähigkeit erhalten bleibt.

Innovative Technologien und Materialien oder hochentwickelte Dämmsysteme, verbessern die Effektivität von Brandabschnitten. Zudem gibt es Bestrebungen, durch den Einsatz von digitalen Planungswerkzeugen wie Building Information Modeling (BIM) die Planung und Ausführung von Brandschutzmaßnahmen zu optimieren.

Fazit

Brandabschnitte sind ein wesentliches Element im Bereich des vorbeugenden Brandschutzes. Sie dienen dazu, die Ausbreitung von Feuer und Rauch innerhalb von Gebäuden oder zwischen benachbarten Gebäuden zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Das Konzept der Brandabschnitte spielt sowohl in der Architektur als auch im Bauwesen eine entscheidende Rolle, um die Sicherheit von Menschen und die Erhaltung von Sachwerten zu gewährleisten. Die ständige Weiterentwicklung von Bautechniken und Materialien sowie eine strikte Einhaltung der Brandschutzvorschriften sind entscheidend, um den Schutz vor Feuer weiter zu verbessern und Leben zu retten. Ihre Planung und Implementierung erfordert ein tiefes Verständnis der baurechtlichen Bestimmungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Architekten, Ingenieuren, Bauunternehmen und Brandschutzexperten.

Quellen:

https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayBO-28

https://broschuerenservice.mhkbg.nrw/files/1/c/1c29a1220bb732e55b65310f01cca594.pdfhttps://www.baunormenlexikon.de/norm/din-4102-2/ecacc4d1-d44d-4b90-9089-ab21c7761eeb

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