Unfall mit Gefahrgut: Schriftliche Weisungen – Was im Notfall zu tun ist

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Wenn ein Gefahrguttransport die 1000-Punkte übersteigt, müssen die schriftlichen Weisungen mitgeführt werden. Für die Beförderung von gefährlichen Gütern und Stoffen in Versandstücken, in loser Schüttung und in Tanks sieht das ADR in den Abschnitten 5.4.3 bzw. 8.1.5 einheitliche schriftliche Weisungen vor. Sie enthalten alle stoffbezogenen Informationen, die für die Hilfeleistung in unfallbedingten Notsituationen erforderlich sind. In diesem Artikel erklären wir die Bedeutung der schriftlichen Weisungen gemäß ADR und wie Sie im Gefahrgut Notfall handeln sollten.

Schriftliche Weisungen: Inhalte

Allgemeine Instruktionen

Die vierseitige Fahreranweisung enthält allgemeine Anweisungen für das Verhalten des Fahrers im Gefahrenfall. Darüber hinaus enthalten die schriftlichen Anweisungen Informationen zu den Gefahrenmerkmalen sowie spezifische Maßnahmen im Zusammenhang mit den einzelnen Gefahrenzetteln und Kennzeichnungen für umweltgefährdende Stoffe (5.2.1.8.3 ADR) sowie für erhitzte Stoffe (5.3.3 ADR).

Liste der an Bord mitzuführenden Ausrüstungsgegenstände

Eine Liste der während der Beförderung mitzuführenden Ausrüstungsgegenstände – unabhängig von der Gefahrgutklasse – ist ebenfalls Gegenstand der schriftlichen Weisungen. Die angegebenen Ausrüstungsgegenstände dienen sowohl dem persönlichen Schutz der Fahrzeugbesatzung als auch der Durchführung von Notfallmaßnahmen.

Die folgenden Ausrüstungsgegenstände müssen sich bei Beförderungen über 1000 Punkte an Board des Fahrzeugs befinden:

Für jedes Mitglied der Fahrzeugbesatzung:

Für bestimmte Klassen ist außerdem folgende zusätzliche Ausrüstung vorgeschrieben:

Gefahrzettel 2.3 und 6.1:

Gefahrzettelnummer 3, 4.1, 4.3, 8, 9 für feste und flüssige Stoffe:

Schriftliche Weisungen gemäß ADR

Im Falle eines Unfalls oder Notfalls mit Gefahrgut, der sich während des Transports ereignen kann, sollten Sie darauf vorbereitet sein. Deshalb sollten Sie die aktuellen schriftlichen Weisungen kennen. Die Mitglieder der Fahrzeugbesatzung müssen die folgenden Maßnahmen ergreifen, sofern diese sicher und praktikabel durchführbar sind:

Sprache der schriftlichen Weisungen (ADR)

Die schriftlichen Anweisungen müssen in einer Sprache verfasst sein und mitgegeben werden, die der Fahrer lesen und verstehen kann. Es liegt in der Verantwortung des Transportunternehmens, dafür zu sorgen, dass der Fahrer die schriftlichen Anweisungen in der richtigen Sprache erhält und in der Lage ist, sie anzuwenden.

Die Vertragsstaaten sind verpflichtet, die schriftlichen Anweisungen in ihrer Landessprache an das UNECE-Sekretariat zu senden. Die UNECE stellt diese schriftlichen Weisungen allen Vertragsstaaten unter unece.org zur Verfügung. Sprachversionen (ADR, Schriftliche Anweisungen). Hier finden Sie alle aktuell zur Verfügung stehenden Sprachversionen für die schriftlichen Weisungen nach ADR.

Deutschland, Österreich und die Schweiz haben sich auf eine gemeinsame Version geeinigt, sodass die schriftlichen Anweisungen nun in 26 verschiedenen Sprachen zur Verfügung stehen.

Verantwortung und Konsequenzen

Beförderer: Gemäß § 19 Abs. 2 Nr. 2 GGVSEB ist der Beförderer für die Aushändigung der schriftlichen Weisungen verantwortlich. Darüber hinaus muss er dafür sorgen, dass jedes Mitglied der Fahrzeugbesatzung diese versteht und richtig anwenden kann. Tut er dies nicht, handelt er ordnungswidrig, was mit einem Bußgeld von 300 Euro geahndet wird. Ebenso muss der Beförderer sicherstellen, dass das Fahrzeug mit der vorgeschriebenen Ausrüstung (Abschnitt 8.1.5) gemäß § 19 (2) Nr. 16 GGVSEB ausgestattet ist. Ansonsten droht ebenfalls ein Bußgeld von 200 Euro.

Fahrzeugführer: Der Fahrzeugführer muss die schriftlichen Weisungen an einem leicht zugänglichen Ort mit sich führen. Dies gilt auch für die mitzuführende Ausrüstung, um im Gefahrenfall schnell darauf zugreifen zu können. Der Fahrzeugführer muss sie auch den verantwortlichen Personen auf Verlangen vorlegen (§ 28 GGVSEB). Kommt der Fahrer der Verpflichtung zum Mitführen von schriftlichen Anweisungen oder Ausrüstungsgegenständen nicht nach, ist dies ebenfalls eine Ordnungswidrigkeit, die mit 150 Euro für den Fahrer geahndet wird.

Quellen:

https://unece.org/linguistic-versions-adr-instructions-writing

https://unece.org/fileadmin/DAM/trans/danger/publi/adr/Instructions/German_2017.pdf

https://www.gesetze-im-internet.de/ggvseb/__19.html

https://www.gesetze-im-internet.de/ggvseb/__28.html

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Cornelia Klaubert

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